Akupunktur 1-2/2008 | Online

Tinnitus

Ruhe – endlich wieder „nichts hören” Diesen einfachen Wunsch können sich Tinnitus- Patienten nicht erfüllen. Jeder zehnte Bundesbürger leidet an Ohrgeräuschen.

Der Tinnitus ist ein oft unterschätztes Folgesymptom einer Durchblutungsstörung im Innenohr. Dieser so genannte Hörsturz wird schnell auf die leichte Schulter genommen. Patienten hoffen, dass die auftretenden Geräusche im Ohr – der eigentliche Tinnitus – von selbst wieder verschwinden. Doch im Gegenteil: Je länger die Behandlung verzögert wird, desto schwieriger ist meist die Therapie.

Betroffene Patienten hören Brumm- oder Pfeiftöne, Zischen oder Rauschen in verschiedenen Lautstärken und Tonhöhen. Diese Töne sind von anderen Menschen nicht wahrzunehmen. Andere Ursachen für Tinnitus können Schäden durch starke Lautstärken sein (Knalltraumata oder chronische Überlastung durch Musik oder Geräusche bei der Arbeit), manchmal lösen auch Stress oder psychische Belastungen ein Ohrgeräusch aus. Welche Qualen die Symptome des Tinnitus bei Betroffenen tatsächlich auslösen können, ist ihren Mitmenschen häufig nicht bewusst. Die Folgen dieser permanenten Belastung sind starke Konzentrationsschwächen, Unausgeglichenheit und Schlafstörungen.

Insgesamt ist Tinnitus ein medizinischer Oberbegriff für störende Geräusche im Ohr. Sowohl die Ursache als auch die Ausprägung des Syndroms können sehr unterschiedlich sein. Die Akupunktur kann bei allen Formen helfen. Je nach auftretender Symptomatik können Zusatztherapien unterstützend wirken.

Die klassische Akupunktur und die Ohrakupunktur konnten bereits beachtliche Erfolge bei Patienten mit Tinnitus aurium erzielen, wie eine aktuelle Studie der englischen Universität York belegt. (Quelle: www.ftcm.org.uk/Tinnitus%20CTM% 202006%2014%2039-46.pdf)

Wirkungsweise der Ohrakupunktur

Am Ohr befinden sich etwa 200 bekannte Reflexpunkte, die den Organen der bestimmten Körperzonen zugeordnet werden können. Alle Reize, die durch Akupunktur ausgelöst werden, gelangen über das Zwischenhirn zu den angesprochenen Körperregionen. Durch den Einsatz einer Akupunkturnadel erfolgt ein kontinuierlicher Reiz dieser Reflexpunkte. Dadurch wird das Informationssystem des Körpers mittels elektrischer Impulse aktiviert und das zentrale Nervensystem (ZNS) angeregt. Das ZNS wiederum stimuliert und aktiviert die Selbstheilungskräfte des Körpers und nimmt Einfluss auf die Abwehrkräfte und Nervenbotenstoffe, die den gesamten Körper versorgen.

Implantat

So sehen die Templantate aus. Sie lösen sich von selbst wieder auf.

Die Akupunkturnadel wird in der Regel nach 10 bis 15 Minuten wieder entfernt. Man kann so genannte Dauernadeln an ihre Stelle setzen, die etwa eine Woche im Ohr bleiben können. Der neueste Stand der Technik sind Nadelimplantate, winzige sterile Stifte aus Titan, die an den betroffenen Stellen im Ohr versenkt werden. Diese Implantate verbleiben unsichtbar unter der Haut. Es wird eine Dauerwirkung der Akupunktur erreicht. Da diese Implantate für immer im Ohr verbleiben, gefällt mir persönlich die Weiterentwicklung aus dieser Technik viel besser, die so genannten „Templantate“. Diese Nadeln bestehen aus einem Material, das sich ähnlich wie ein resorbierbarer OP-Faden nach etwa 15 bis 20 Monaten wieder von selbst auflöst. Während dieser Zeit wird ein kontinuierlicher Reiz auf den Punkt beziehungsweise das Gebiet abgegeben, in welches das Templantat gesetzt worden ist.

Implantat

Implantat, kurz vor dem Setzen.

Endlich Ruhe

Implantat-Akupunktur beziehungsweise Templantat- Akupunktur wird bereits von zahlreichen ausgebildeten Akupunkturärzten mit Erfolg angewendet. Rita Klowersa, Allgemeinärztin in Berlin: „Es gibt gerade bei Tinnitus keine ausdrücklich hoffnungslosen Fälle. Inwieweit einem Patienten geholfen werden kann, ist allerdings im Voraus nie exakt zu bestimmen. Es ist sinnvoll, bei jedem Patienten auch nach den so genannten Störherden zu fahnden (siehe auch www.stoerherd.de). Die Ohrakupunktur ist meiner Erfahrung nach nicht nur die schnellste, sondern auch die wirkungsvollste Behandlung eines Tinnitus. Selbst hartnäckige oder sehr laute Ohrgeräusche sind therapierbar.“ Therapeuten, die mit Implantaten beziehungsweise Templantaten arbeiten, finden Sie unter www.inauris.com.

Quelle:
Dr. med. Beate Strittmatter
Ärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Sportmedizin,
Akupunktur Ausbildungsleiterin der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin, München
E-Mail: Strittmatter@t-online.de

Fragen zur Implantat-Akupunktur

Können die Implantate/Templantate überall eingesetzt werden?

Nein.
Die Anwendung beschränkt sich ausschließlich auf die Ohrakupunktur (Aurikulotherapie).

Übernimmt meine Krankenkasse die Kosten?

Meist nicht. Die Implantation selbst wird nicht übernommen, einige Krankenkasse übernehmen jedoch den Materialpreis für die zu setzenden Implantate. Vor- und Nachbehandlung (Ohrakupunktur) werden gegebenenfalls von den Kassen erstattet.

Ist die Behandlung schmerzhaft?

Ja, es piekt ähnlich wie beim Einsetzen einer Nadel. Ein Ohrpunkt, der auf eine krankhafte Störung im Körper hinweist, ist immer auch druckempfindlich. Aber die Anstrengung lohnt sich.

Wie viele Implantate/Templantate müssen gesetzt werden?

Das hängt von der Einschätzung des Therapeuten bezüglich des Krankheitsverlaufs, der Medikamenteneinnahme etc. ab. Manche Therapeuten benutzen das Implantat/Templantat lediglich für den wichtigsten Punkt am Ohr zum Abschluss ihrer Behandlung, andere setzen gerne mehr als 10 dieser Nadeln.