Akupunktur 3-4/2008 | Online

Akupunktur, mit Laser genadelt

Die Nachfrage steigt: 80 Prozent der Österreicher vertrauen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) oder haben sich schon einmal nach einer ihrer Methoden behandeln lassen. Aber: Kann diese mehr als 4000 Jahre alte Medizinlehre modernen wissenschaftlichen Anforderungen überhaupt gerecht werden?

Neue High-Tech-Methoden unterstützen die Wirkung der Akupunktur.

Neue High-Tech-Methoden unterstützen die Wirkung der Akupunktur.

Dies zu beantworten ist eine der Aufgabenstellungen des blutjungen interuniversitären „Forschungszentrums für Traditionelle Chinesische Medizin“, das in Graz beheimatet ist und von der Karl-Franzens-Universität und der Medizinischen Universität koordiniert wird. „In weiterer Folge soll in Graz ein Kompetenzzentrum entstehen, das die zahlreichen nationalen Aktivitäten in Forschung und Lehre bündelt“, sagt Univ.-Prof. Dr. Gerhard Litscher, Leiter der Forschungseinheit für biomedizinische Technik in Anästhesie und Intensivmedizin an der Medizin-Universität Graz.

Seit 10 Jahren widmet sich der Biomediziner der Erforschung von Akupunktur: Mittels Neuromonitoring, also der Überwachung der Gehirnfunktion, konnte er unter anderem nachweisen, dass Akupunktur im Gehirn zu reproduzierbaren Veränderungen führt und die Blutflussgeschwindigkeit in verschiedenen Hirnarterien spezifisch verändert. Andere High-Tech-Methoden unterstützten die Erhebung dieser Daten – so zum Beispiel die Nahinfrarot-Spektroskopie, die Änderungen des Sauerstoff-Stoffwechsels erfasst oder das sehr sensible Ultraschall-Verfahren der multidirektionalen transkraniellen Ultraschall-Doppelsonografie, das die Blutflussgeschwindigkeit in unterschiedlichen Hirnarterien gleichzeitig messen kann.

Die Ohrakupunkur wird für Patienten empfohlen, die spezielle Medikamente wegen der Nebenwirkungen ablehnen.

Die Ohrakupunkur wird für Patienten empfohlen, die spezielle Medikamente wegen der Nebenwirkungen ablehnen.

Alles nur Placebo-Effekt?

Der häufigen Kritik, Akupunktur-Wirkungen rührten vom Placebo-Effekt her, begegnete der Forscher mit einem speziellen Design der Studien und der schmerzfreien Akupunktur mit Lasernadeln, die auf die Haut geklebt wurden. Dabei gab es keine Einstiche, keine Manipulation mit den Händen seitens des Behandelnden. Die Probanden wussten deshalb nie, ob der Laser aktiviert war oder nicht.

„Unsere neuesten Forschungen weisen darauf hin, dass Akupunktur den Schmerzmittelverbrauch auch in der postoperativen Phase senken könnte, erste klinische Studien dazu sind am Laufen“, erwähnt Litscher, der mit seinem Team bereits 150 wissenschaftliche Arbeiten zur High-Tech-Akupunktur publiziert hat. Momentan legt Prof. Litscher auch viel Engagement in die Errichtung eines Forschungs-Clusters zur TCM: „In Österreich haben bereits 19 Forschungsgruppen auf universitärer Ebene konkrete Projektvorschläge eingebracht“.

„Wir wollen natürlich auch mit dem Ausland und vor allem mit China zusammenarbeiten“, betont Rudolf Bauer, Vorstand des Instituts für Pharmazeutische Wissenschaften an der Karl-Franzens-Universität. Er ist überzeugt: „TCM ist eine wissenschaftlich evaluierbare Form der Medizin.“

Ein Zukunftsfond von 300.000 Euro ebnet den Weg für die erste Projektphase.

Ein Zukunftsfond von 300.000 Euro ebnet den Weg für die erste Projektphase.

Für die erste Projektphase des interuniversitären Forschungszentrums für Traditionelle Chinesische Medizin hat der Zukunftsfonds des Landes Steiermark 300.000 Euro zur Verfügung gestellt. „Wir hoffen sehr auf weitere finanzielle Unterstützung der Ministerien“, wirft Litscher ein, „und ich glaube, die Chancen stehen nicht schlecht, weil TCM im aktuellen Regierungsprogramm ja explizit erwähnt ist.“

Dass da Scharlatanerie und Schlendrian im Spiel sind, weiß Bauer, der seit 15 Jahren intensiv Wirkstoffe und Qualität chinesischer Heilpflanzen erforscht, nur zu gut. „Vor allem die Bestellung chinesischer Pflanzen aus dem Internet ist ein Lotteriespiel, das für den Kunden immer wieder im Krankenhaus endet.“ Denn nicht immer hätten die Pflanzen ausreichende Qualität. „Wir entwickeln oder verfeinern Methoden, mit denen wir die getrockneten Pflanzenteile untersuchen und identifizieren sowie deren Qualität und Inhaltsstoffe prüfen können.“ Eine dieser Methoden ist die Dünnschicht-Chromatografie, mit deren Hilfe man Inhaltsstoffmuster der einzelnen Pflanzen analysieren kann.

Weitere Informationen

Univ.-Prof. DI DDr. Gerhard Litscher
Forschungseinheit für biomedizinische Technik in Anästhesie und Intensivmedizin und
TCM Forschungszentrum Graz
Medizinische Universität Graz
Auenbruggerplatz 29, 8036 Graz
Tel: +43 316 385-3907 oder -83907
Fax: +43 316 385-3908

E-Mail:

gerhard.litscher@meduni-graz.at

Internet:

www.litscher.info (High-Tech Akupunktur)

www.tcm-graz.at (Forschungszentrum für Traditionelle Chinesische Medizin)