3-4/2008 | Online
Nadeln aktivieren Schmerzschalter im Gehirn.
Die Akupunktur erzielt beachtliche Erfolge in der Schmerztherapie. Eine wiederholte oder anhaltende Reizung an Akupunkturpunkten kann erheblich die Schwelle heben, ab welcher der Körper Schmerzen anzeigt.
Viele Untersuchungen belegen eine Aktivität in Schmerzzentren wie in den Gehirnteilen „Mandelkern“ und „Insel“, die durch Akupunktur verursacht wird. US-Forscher entdeckten, dass dies auch auf das „Periaquäduktale Grau“ (PAG) zutrifft – ein weiterer Schmerzschalter im Gehirn, der auch als zentrales Höhlengrau bezeichnet wird.
Akupunkturpunkt kontra Nicht-Akupunkturpunkt
Ein erfahrener Akupunkteur behandelte sieben gesunde Studienteilnehmer an jeweils zwei Hautstellen über 30 Minuten mit Nadeln. Einer der zwei Bereiche war ein Akupunkturpunkt am Handrücken, der andere ein Nicht-Akupunkturpunkt am rechten Bein. In den Akupunktur-Phasen (jeweils 30 Sekunden) erfolgte die Reizung durch Vorschieben, Ziehen und Drehen der Nadeln. Jeder Akupunktur-Phase folgte eine gleichlange Ruhezeit. Die Reizungen am Nicht-Akupunkturpunkt gestalteten sich in derselben Weise. Vier Teilnehmer gaben an, gleich nach der Behandlung am Akupunkturpunkt das charakteristische De-Qi-Gefühl empfunden zu haben, eine Mischung aus Taubheit und Schmerz, die eine erfolgreiche Therapie in der Regel begleitet.
Neue Erkenntnisse ermöglichen es, die Schmerzschwelle mit Akupunktur anzuheben.
Sichtbar gemacht
Bei allen sieben Teilnehmern gelang es den Forschern, in eindrucksvollen Bildern die Aktivitätsänderung im zentralen Höhlengrau des Gehirns (PAG) darzustellen, während akupunktiert wurde. Sie verwendeten dazu ein relativ neues Verfahren, das auf der Kopplung von MRT (Magnetresonanztomographie) und Messung des Sauerstoffgehaltes im dargestellten Gebiet beruht. Die gemessene Aktivität stimmte mit der Dauer der Reizung gut überein. Außerdem beobachteten die Forscher, dass auch Felder der Hirnrinde auf die Reizungen reagierten. Eine deutlich abgeschwächte Aktivität zeigte sich dann bei der Reizung am Nicht-Akupunkturpunkt.
Autoren früherer Studien akupunktierten weniger intensiv und stellten keine PAG-Aktivität fest. In der vorliegenden Untersuchung gelang es den Wissenschaftlern, mittels Akupunktur dieses wichtige Schmerzzentrum, sowie Abschnitte der Schmerzrinde deutlich messbar zu beeinflussen und dies auch in MRT-Bildern sichtbar zu machen. Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass die Deutung verschiedener Einzelheiten noch Schwierigkeiten bereitet und zu fachlichen Kontroversen führt. Trotzdem scheint fest zu stehen, dass sowohl der Schmerzschalter PAG als auch die zugehörige Schmerzrinde durch Akupunkturreize deutlich sichtbar beeinflusst werden können.
Liu WC et al: fMRI study of acu-
punctureinduced periaqueductal gray
activity in humans. Neuroreport 2004;
15:1937-40.
