1-2/2009 | Online
Chinesische Medizin
Die Zukunft der Moxibustion
Wissenschaftler der Medizinischen Universität Graz erforschen im Rahmen einer
japanisch-chinesisch-österreichischen Zusammenarbeit ein neues Akupunkturnadel-
Moxa-System.
Durch Moxibustion, eine asiatische Heimethode, soll an Akupunkturpunkten eine gezielte Wärmeeinwirkung erreicht werden. An der Forschungseinheit für Biomedizinische Technik in Anästhesie und Intensivmedizin der Medizinischen Universität Graz untersuchen Wissenschaftler unter der Leitung des Biomediziners Univ.-Prof. DI Dr. Dr. Gerhard Litscher (Leiter des TCM Forschungszentrums Graz Akupunkturforschung und der genannten Forschungseinheit) zusammen mit Forschern in China ein neues japanisches Nadel-Moxa-System mit Hilfe von High-Tech Messmethoden.
Das in Tokio (Firma Seirin) entwickelte System eignet sich zur raucharmen, sicherheitstechnisch auf hohem Standard stehenden Moxibustion und wird demnächst am internationalen Markt angeboten werden (Firma 3B Scientific, Deutschland).
Neues Nadel-Moxa-System
Weltweit wurde das neue Nadel-Moxibustions-System erstmals am TCM Kongress in Graz (27.09.2008) vorgestellt. Es beinhaltet eine Akupunkturnadel mit einem Metall-Griff von 25mm Länge. Das Kernstück des Moxa-Prototyps besteht aus einer metallischen Halterung, die direkt auf die Nadel aufgesetzt wird. In dieser Halterung befindet sich ein Hohlzylinder von 1 cm Außendurchmesser und einer Höhe von 0,5 cm, in erster Linie bestehend aus gepresster „Beifußkohle“ (Hauptanteil: Artemisia vulgaris).
In Graz konnten nun erstmals Temperaturverteilungen, Mikrozirkulationsveränderungen (punktuell und großflächig) sowie ein positiver Einfluss auf den Herzschlag unter Einwirkung der neuen Methode erfasst werden. Die Dimensionen der örtlichen und zeitlichen Ausbreitung der Effekte der Wärmestimulation sind somit jetzt objektiv visualisierbar. „Mit dem neuen System wird es möglich, die Moxibustion unter standardisierten Bedingungen raucharm und unter hohem Sicherheitsaspekt durchzuführen“, betont Litscher.
Tradiertes Verfahren
Die Moxibustion wird im 4. Jahrhundert v. Chr. erstmals schriftlich erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Verfahren weiter differenziert. Die Behandlung mit brennenden Kräutern gehört heute in China zu einer Standardmethode. Die Moxibustion wird als spezielle Technik zusätzlich zur Nadelung angewendet und ist ein wichtiger Bestandteil der Akupunkturbehandlung. Ursprünglich wurden die Blätter von Artemisia vulgaris einige Tage in der Sonne getrocknet und jeden Abend zerstoßen. Schließlich wurde diese Moxawolle auf vielfältige Art verwendet. Die Moxa-Behandlung wärmt hauptsächlich eine Körperregion, beseitigt Stagnationen oder Blockaden, die durch Kälte oder Feuchtigkeit entstanden sind, und stellt die Energiezirkulation wieder her. Für die Moxibustion gibt es aber auch Kontraindikationen. So zum Beispiel darf sie bei einem Übermaß an Hitze im Körper, etwa bei Fieber oder wenn nach Ansicht der TCM ein Fülle-Syndrom vorliegt, nicht angewendet werden. Vorsicht ist selbstverständlich im Gesicht, am Kopf oder in der Nähe von großen Blutgefäßen geboten.
Das Forschungsteam aus Österreich und China in der österreichischen Botschaft in Beijing (v.l.n.r.: Dr. Lu Wang, Prof. Weibo Zhang, Prof. Gerhard Litscher und Dr. Tao Huang).
Das Moxakraut Beifuß, das unter anderem ätherische Öle wie Cineol und Thujaöl, Cholin, Harze und Tannin enthält, soll nicht nur den Energiefluss anregen, sondern auch gegen „kalte“ Zustände wirken. Wie die Grazer Forschungen mit kontinuierlichen bildgebenden Verfahren zeigen, kann die Moxibustion neben der Erwärmung eines großflächigen Areals um einen Akupunkturpunkt zu einer Steigerung der Kapillardurchblutung (Rötung) mit Wärmegefühl und so zu einer gesteigerten Durchblutung der abhängigen Region (Ausleitung von Kälte) führen. Die Studien erfolgten im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit zwischen dem TCM Forschungszentrum Graz und dem Institut für Akupunktur und Moxibustion der China Academy of Chinese Medical Science Beijing.
Die Untersuchungen wurden vom Zukunftsfonds Steiermark unterstützt. Die internationale Zusammenarbeit wurde vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und vom Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend gefördert sowie vom Eurasia Pacific Uninet ermöglicht.
Weitere Informationen
Univ.-Prof. DI Dr. Dr. Gerhard Litscher
Leiter der Forschungseinheit für biomedizinische
Technik in Anästhesie und Intensivmedizin und
des TCM Forschungszentrums Graz
Medizinische Universität Graz
Auenbruggerplatz 29
8036 Graz
Tel: +43 316 385-3907 oder -83907
Fax: +43 316 385-3908
E-Mail: gerhard.litscher@meduni-graz.at
Internet:
www.litscher.info (High-Tech Akupunktur)
www.litscher.at
www.tcm-graz.at (Forschungszentrum für Traditionelle
Chinesische Medizin)
