Akupunktur 1-2/2010 | Online

Ganzheitliche Zusammenhänge zwischen Kopfschmerzen, Wirbelsäule und Kieferbereich

Ganzheitliche Zusammenhänge zwischen
Kopfschmerzen, Wirbelsäule und Kieferbereich


Neben der reinen Behandlung der Kopfschmerzen ist es wichtig, auch die Wirbelsäule auf Probleme zu untersuchen. Dies ist eine wichtige Ergänzung, da es häufig ausstrahlende Schmerzen gibt, die Ihre Ursache in der Wirbelsäule haben und als Kopfschmerz wahrgenommen werden.

O ft wird dabei übersehen, dass die Wirbelsäule, insbesondere die Halswirbelsäule, direkt durch Kieferprobleme negativ beeinflusst wird. Ein Kieferproblem kann zum Beispiel entstehen, wenn die Abstützung der Zähne im Mund nicht gleichmäßig ist, weil Zähne fehlen oder Füllungen zu hoch oder zu tief angefertigt wurden.

Besonders ausgebildete Zahnärzte, die auf die „CMD“ ( = Craniomandibuläre Dysfunktion) spezialisiert sind, können das leicht herausfinden. Am besten arbeiten Orthopäde, Zahnarzt, Osteopath und Physiotherapeut zusammen.





Die Wirbelsäule
in ihrer Statik

Die Wirbelsäule in ihrer Statik


Für den medizinischen Laien ist es zunächst schwer verständlich, dass eine Fehlstatik in der Wirbelsäule Einfluss auf die Kaumuskulatur hat. Stellt man sich aber den Menschen einmal wirklich als „Säule“ vor, auf der oben auf einer sehr kleinen Fläche der Kopf sitzt, dann kann man die Einflüsse zum Beispiel eines schief stehenden Beckens auf die Haltung der gesamten Wirbelsäule verstehen. Damit werden auch die Muskeln beeinflusst, die den Kopf in seiner Lage stabilisieren (Abb. links).

Gerade bei Kieferbeschwerden ist die Behandlung der Muskeln wichtig, denn die Muskeln formen die Knochen (und nicht umgekehrt), in der Medizin spricht man von: „das Weichgewebe formt das Hartgewebe“.

Der spezialisierte Zahnarzt wird durch Abtasten druckschmerzhafte Punkte im Kopf- und Nackenbereich finden, die teilweise auch ausstrahlend einen Schmerz verursachen können. Danach wird er die Kiefergelenke auf Schmerzhaftigkeit untersuchen, besonders auch auf Knack- oder Knirschgeräusche. Als letztes wird er nach dem Zusammenbiss der Zähne sehen, nach dem Zusammenspiel und der gegenseitigen Beeinflussung der Zahnkauflächen bei verschiedenen Bewegungen und allgemein nach der Abstützung der Zahnreihen.

Die ideale Anfangstherapie ist üblicherweise eine sogenannte „Entspannungsschiene“, die dazu dient, die verspannte Muskulatur zu entspannen. Ziel muss es sein, dass keine druckschmerzhaften Punkte in den Muskeln mehr zu finden sind. Gleichzeitig beginnt der Patient mit Übungen zur Lockerung der betroffenen Muskeln.

Die Akupunktur bietet eine ideale Möglichkeit, den Patienten zusätzlich wirkungsvoll unterstützend zu behandeln.

Die Projektion des Körpers am Ohr nach Nogier

Die Projektion des Körpers am Ohr nach Nogier







In der Methode der Ohrakupunktur findet der Behandler die „nervalen Strukturen“, also alles, was Schmerzen auslöst oder weiterleitet, auf der Ohrvorderseite und alles, was mit der Muskulatur zusammenhängt, auf der Ohrrückseite (Abb. rechts)

Da man diese Punkte in ihrer Lage am Ohr nur findet, wenn die betroffene Struktur erkrankt oder verändert ist, hat man gleichzeitig eine Kontrolle des Untersuchungsbefundes – und durch Therapie der Punkte mit Akupunkturnadeln auch noch eine therapeutischen Effekt.










Die Psyche ist bedeutsam

Insgesamt muss aber auch der Einfluss psychischer Probleme in der Untersuchung und der Therapie berücksichtigt werden. Man kann sagen: „Aus permanenter Anspannung entsteht eine Verspannung.“ Das haben auch viele Patienten schon erlebt, die berichten: „Meine Verspannung hatte ich schon länger, aber kurz nach meiner Kündigung habe ich mich beim Aufstehen auf einmal nicht mehr bewegen können.“

Gezielte Entspannung hilft, übermäßige Verspannungen zu lösen.

Gezielte Entspannung hilft, übermäßige Verspannungen zu lösen.


Deshalb ist es für jede erfolgreiche Therapie bei allen Problemen mit verspannten Muskeln, sowohl der Kaumuskeln als auch der Wirbelsäulenmuskulatur, notwendig, den Patienten auf die existierenden Probleme aufmerksam zu machen und ihm Lösungen anzubieten (zum Beispiel Yoga, Autogenes Training, begleitende Blütentherapie oder einfach etwas, dass ihm hilft, mindestens einmal am Tag ganz abschalten zu können).

In der Behandlung erlebt man häufig, dass wenn die Patienten die Schiene regelmäßig die ersten 6-8 Wochen tragen und ihre Übungen machen, sie berichten können, dass die Kopfschmerzen deutlich weniger geworden sind und die Beschwerden der Halswirbelsäule besser werden. Sie beobachten häufig ein „Absteigen“ der Beschwerden. Gezielte Ohrakupunktur kann den Schmerz sofort lindern und die Muskeln entspannen und sollte idealerweise begleitend zu jeder anderen Form der Behandlung durchgeführt werden.

Autor:
Prof. Dr.med.dent. Winfried Wojak
32805 Horn Bad-Meinberg
E-Mail: dr.wojak@akupunktur.de